von István Eörsi (Teil 1 von „Das Gespräch“, Theatertrilogie)

Mit: René Döring, Klaus Hänscheid, Steffen Neupert
Regie: Paul Baiersdorf; Musik: László Moldvai; Ausstattung: S.O. Wolter, Wolf Dieckmann; Dramaturgie: Felix Goldmann; Assistenz: Myrto Merkata

„His Master’s Voice“ ist István Eörsis dramatische Auseinandersetzung mit seinem Lehrer, dem Philosophen Georg Lukács über dessen Tod hinaus. Ein absurdes Dokumentarspiel, voller Humor, Ironie und Zärtlichkeit, aber auch voller Schärfe, Unnachgiebigkeit und Genauigkeit, wenn die historisch-biografischen Zusammenhänge thematisiert werden.
So wie Eörsi in diesem Stück seinen Dialog mit Lukács über dessen Tod und den Untergang des Staatssozialismus hinaus immer weiterschrieb, wird unsere Fassung diesen Dialog bis zur heutigen Gegenwart hin klingen lassen. Dem Gedenken an den am 13. Oktober 2005 verstorbenen István Eörsi soll unser Spiel gewidmet sein.

István EÖRSI, 1931 in Budapest geboren, studierte englische und ungarische Literatur. Ein Jahr war er als Lehrer danach als Journalist und Übersetzer tätig. Seit den fünfziger Jahren war er Schüler von Georg Lukács. Im Dezember 1956 wurde er wegen seiner Teilnahme an der ungarischen Revolution zu acht Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Amnestierung 1960 lebte er lange hauptsächlich von Übersetzungen da er immer wieder Schreibverbot erhielt. Ab 1977 war er Dramaturg in Kaposvár. Wegen seines Eintretens für die Charta 77 und der Mitarbeit im Samisdat erhielt er 1982 Berufsverbot. Seit 1983 lebte er auch in Berlin. Nach 20 Jahren Aufführungsverbot inszenierte George Tabori 1984 Das Verhör an der (West)Berliner Schaubühne. István Eörsis Texte erschienen auf Deutsch in Sinn und Form, Lettre International, u. a., die Berliner Zeitung publizierte ab 2004 viele seiner „Dr. Obwohl Geschichten“. Neben Theaterstücken und Prosaveröffentlichungen stehen seine autobiographischen Bände Erinnerung an die schönen alten Zeiten, dt. 1991, über die Gefängnisjahre, und Im geschlossenen Raum, dt. 2006, oder die Essay-Sammlung Der rätselhafte Charme der Freiheit. Versuche über das Neinsagen, 2003. Im Deutschen weniger bekannt ist sein dichterisches Werk und seine zahlreichen Übersetzungen aus dem Deutschen und Englischen, u. a. von Brecht, Jandl, Alan Ginsberg. István Eörsi ist am 13. Oktober 2005 verstorben.


Fotos: Michael Felsch

Das Gespräch wird gefördert von Bipolar, deutsch-ungarische Kulturprojekte 2006/2007.
Bipolar, ist ein Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes.