von Georg Seidel

Mit: Anna Schmidt (Carmen); Cristián Lehmann Carrasco (Harald); Heiko Schendel (Leps); László Klapcsik (Achim); Anja Fließ (Sonja); Sibille Roth (Frau Schaller)
Regie: Felix Goldmann; Ausstattung: Jens-Uwe Behrend

“Carmen Kittel” von Georg Seidel, zu Endzeiten der DDR geschrieben, erzählt von einem Menschen, der einfach nicht “passt”, und dem die Fähigkeit fehlt, sich “passend” zu machen – eine Art menschlicher Stolperstein, der das Potential hätte, Katalysator für das Aufbrechen von normierten Verhältnissen zu sein, der aber nicht stark und resistent genug ist, um dem entstehenden Druck standzuhalten.
Carmen ist aus dem Heim entlassen worden und versucht nun sich im normalen Leben zurecht zu finden. Sie übt Anpassung, aber die will ihr nicht so recht gelingen. Die Außenwelt scheint in einem für sie nicht nachvollziehbaren Tempo und nach ihr nicht bekannten Regeln zu funktionieren. Bei der Arbeit ist sie zu langsam und auch in ihren Beziehungen kommt sie der äußeren Wirklichkeit nur mühsam hinterher. Da ist zum Beispiel Harald, den sie liebt und von dem sie ein Kind erwartet. Aber Harald will diese Verantwortung nicht tragen und drängt sie zur Abtreibung. Sie versucht das kleine Glück mit Harald festzuhalten, indem sie gegen ihren eigentlichen Wunsch das Kind abtreiben lässt, um danach sehen zu müssen, dass der Traum längst ausgeträumt ist. Sie flüchtet sich in eine Fiktion, die sie auch gegenüber den Arbeitskolleginnen aufrecht zu erhalten bemüht. Die Katastrophe folgt unausweichlich.

Georg Seidel (28. September 1945 – 3. Juni 1990) Arbeitersohn und gelernter Werkzeugmacher war nach dem Abitur Bühnenarbeiter am Theater Dessau. Von einem Studium an einer Ingenieurschule wurde er ausgeschlossen, da er den Wehrdienst verweigerte und für anderthalb Jahre als “Bausoldat” eingezogen wurde. Ab 1973 arbeitete er zunächst als Beleuchter bei der DEFA und von 1982-87 als dramaturgischer Mitarbeiter am Deutschen Theater in Berlin. 1980 schrieb er das Stück “Kondensmilchpanorama” und bald darauf, das von der DDR-Presse heftig kritisierte Stück “Jochen Schanotta” (UA 1985). 1987 folgte das Volksstück “Das langsame Kind”, welches unter der Neufassung “Carmen Kittel” 1989 auf die Bühne kam, während 1988 bereits das Stück “Königskinder” uraufgeführt wurde. Nach seinem Tod folgten einige Uraufführungen und für das Stück “Villa Jugend” wurde er 1991 postum mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet.

Premiere: 2003