von Ireneusz Iredynski
Übersetzung: Dietrich Scholze

Mit: Katrin Hamann, Magdalena Roth, Hansgeorg Gantert, László Klapcsik, Thomas Kornmann, Heiko Schendel, Götz Zuber-Goos, René Döring
Regie: Felix Goldmann; Dramaturgie: Paul Baiersdorf;  Ausstattung: Jens-Uwe Behrend

Das Stück steht am Anfang von Iredynskis dichterischer Auseinandersetzung um die Perversion der Sprache und des menschlichen Herzens unter dem Zeichen der Diktatur. In einem Konzentrationslager übt eine Gruppe Gefangener ein Krippenspiel, voll mit konkreten Anspielungen auf Tyrannei und Verfolgung, die es für diesen Ort eigentlich unspielbar machen. Kann die Hoffnung den Tod besiegen? Der Zusammenprall zwischen der Botschaft von der Geburt des Jesuskindes und der absolut inhumanen Praxis des 20. Jahrhunderts verleiht dem Stück seine Perspektive und Tragik. Wenn Iredynski sein Krippenspiel zu einem Passionsspiel „misslingt“, so liegt dies nicht an seiner dichterischen Unerfahrenheit. Es wird von der Natur des Stoffes diktiert.

Max Frischs ANDORRA vergleichbar, handelt es sich beim MODERNEN KRIPPENSPIEL um ein Modell, welches versucht die Entmenschlichung unserer totalitären Vergangenheit dramatisch aufzuarbeiten. Dabei sollte als Folie neben dem nationalsozialistischen Konzentrationslager, in dem das Stück spielt, auch die Erfahrung der Entstehungszeit des Stückes, der Schauprozesse, der Perversion der Sprache sowie des wiedererstarkenden Antisemitismus – „in Ost und West“ – einbezogen werden. Aber eine für das heutige Berlin relevante Inszenierung wird sich zusätzlich mit den Bedingungen dieser Zeit „nach dem Ende des Kalten Krieges“ auseinanderzusetzen haben. Wie ist in einem solchen Kontext eine Realität darzustellen oder anzusprechen, die uns unvorstellbar scheint, nichtsdestotrotz aber zugleich einen der bleibenden Bezugspunkte unseres „Geschichtsgedächtnisses“, zumal in Deutschland, bildet? Wie sollte eine Auseinandersetzung mit Bildern, Symbolen und Geschichten, die uns seitdem bestimmen, aussehen? Wie können wir, als „Nachgeborene“, der Sprachlosigkeit, dem Verstummen begegnen?
Elie Wiesel sagte in Berlin: Den Menschen zum Trotz glaube ich an die Menschlichkeit. Schließlich liegt die Entscheidung zwischen Gut und Übel, Krieg und Frieden, Unschuld und Gewalt immer bei uns. Am Rand des Abgrunds kann man von der Erlösung träumen. Inmitten der Finsternis kann man dem Mitmenschen Licht und Wärme bieten. Auch im Gefängnis kann man frei sein. Worte dürfen nicht verworfen werden, auch wenn sie vom Feind vergiftet sind. Und er sagte: Ich gehöre zu einer Generation, die gelernt hat: Ganz gleich, wie die Frage lautet, Verzweiflung ist keine Antwort.

Premiere 2005 , ACUD-Theater